Es ist Sommer 2014. Fast über Nacht gründen wir den Verein und spinnen Projektideen. Denn wir wollen den Gemeinschaftsgarten vor dem plötzlich geplanten Verkauf an private Bauherren „retten“ und langfristig als Garten in der Stadt erhalten.

Den konkreten urbanen Freiraum, den der Garten in Zeiten der Stadtschrumpfung füllte, wollen wir nicht wieder hergeben. Wir wollen ihn ausbauen und anderen zur Verfügung stellen. Wir werden nicht weiterziehen auf eine Brache am Stadtrand!

Aus dem ersten Projektflyer des Stadtgarten H17, 2014

Unser Flyer von damals macht deutlich: Wir waren nicht bereit aufzugeben, was wir aufgebaut hatten. Nur weil es nicht mehr nötig schien, dass „kreative Akteure“ Brachflächen bespielen, um das Stadtviertel „aufzuwerten“, weil sich das Verwertungsrad ein Stück weiter gedreht hatte. Die Stadt wuchs jetzt nach einer langen Zeit der Schrumpfung wieder. Leipzig „boomte“ und Freiflächen mitten in der Stadt wurden teurer und lukrativer.

Und auch wir dachten jetzt groß. Wir wollten nicht nur den Gemeinschaftsgarten erhalten, sondern gleich ein ganzes F r e i r a u m syndikat gründen, das dem Mietshäusersyndikat ähnlich, dem Immobilienmarkt Grundstücke entziehen, kollektivieren und gegen Reprivatisierung absichern sollte.

Denn Orte für alternative Handlungs- und Wirtschaftsformen sind innerhalb der kapitalistischen Konsumgesellschaft längst schon rar. In einer wachsenden Stadt wird freier Raum noch knapper und das Ende vieler Zwischennutzungen deutet sich an. Deshalb müssen neue, dauerhafte Konzepte her, um Freiräume zu erhalten, neu zu schaffen und unabhängig von Marktmechanismen zu machen.

Aus dem ersten Projektflyer des Stadtgarten H17, 2014

Und dann trafen wir beim Flyer drucken im Copy-Shop zufällig Menschen mit Flyern eines geplanten Wagenplatz-Syndikats. Schnell kam die Idee auf das Freiraumsyndikat über Gärten hinaus, für verschiedene „Freiflächen“-Nutzungen zu öffnen und das Flächen-Syndikats-Projekt gemeinsam weiterzuspinnen…

Das Freiraumsyndikat (FRS) will dauerhaft solidarisches und selbstbestimmtes Leben, Wohnen und Arbeiten ermöglichen und Freiräume für alltägliche Solidarität und politisches Handeln schaffen. Menschen, die gemeinschaftlich eine Fläche nutzen, sollen dies selbstbestimmt tun können. […] Die Lösung besteht in der kollektiven Aneignung von Flächen. Die einzelne Projekt-Gruppe gründet einen Projektverein, der ein Gelände kauft. […] Mit dem Freiraumsyndikat soll ein Zusammenschluss entstehen, der die Projektgruppen in mehrfacher Hinsicht unterstützt:

1) Absicherung gegen Reprivatisierung
In Gründungsinitiativen wird meist idealistisch gehandelt. Wer das Gelände 10 oder 20 Jahre später nutzen wird und welche Ziele diese Menschen dann verfolgen werden, lässt sich aber nicht vorhersagen. Eine Reprivatisierung durch Verkauf der Fläche wäre dann möglich. Um das zu verhindern, werden die beteiligten Projekte mit ihren Flächen Mitglieder im FRS. […]

Freiraumsyndikats-Flyer des Stadtgarten H17 e.V.

Das so geplante Freiraumsyndikat ist dann doch nicht entstanden (obwohl wir die Idee immer noch gut finden!). Wer sich für solche Ideen und Konzepte interessiert, ist vielleicht beim Haus- und WagenRat e.V. richtig. Der Erhalt des Stadtgartens ist aber geglückt, ihr findet ihn weiterhin in der Hähnelstraße 17.

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